Konrad Lorenz zwischen Nobelpreis und NS-Vergangenheit @Hörsaal 1 | UZA

Hörsaal 1, Universitäres Zentrum Althanstraße (UZA) 1, Althanstraße 14, 1090 Wien

Für seine Erkenntnisse im Bereich der Verhaltensforschung und Beobachtungen an Graugänsen ist Konrad Lorenz über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Seine Arbeiten, vor allem zu Verhaltensmustern und Instinkthandlungen, sind auch heute noch von wissenschaftlicher Relevanz. Gemeinsam mit Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch wurde er 1973 mit dem Nobelpreis geehrt. Er erhielt insgesamt zehn Ehrendoktorwürden – jene der Uni Salzburg wurde ihm allerdings 2015 wieder entzogen. Der Senat der Uni Salzburg führte in seiner Begründung Konrad Lorenz’ Aufnahmegesuch an die NSDAP an [1], in dem er sich selbst als schon “immer [währenden] Nationalsozialist”, der eine “erfolgreiche Werbetätigkeit betrieb” bezeichnete und schrieb, dass seine “ganze wissenschaftliche Lebensarbeit […] im Dienste nationalsozialistischen Denkens” stehe.

Während auf diese Zeilen vielfach Bezug genommen wird, wenn es um den NS-Hintergrund von Konrad Lorenz geht, geraten oft andere, gegebenenfalls sogar belastendere, Aspekte aus dem Fokus [2]. So führte Lorenz 1942 in Poznań (Polen) eine rassenbiologische Studie durch, deren Details zwar noch ungeklärt, aber Grund genug sind um ihn hinsichtlich eugenischer Standpunkte zu hinterfragen. Auch nach dem Krieg hat Lorenz selbst nicht klar Stellung bezogen, er distanzierte sich zwar von nationalsozialistischer Terminologie, aber eine Auseinandersetzung mit grundlegender eugenischer Ideologie erfolgte nicht.
Nicht ohne Grund beziehen auch rechtsextreme Organisationen [3] sich bis heute immer wieder auf ihn, um ihre menschenverachtende, rassistische Ideologie biologistisch zu rechtfertigen.

Im Biologiestudium sind wir immer wieder mit Konrad Lorenz und seinen Erkenntnissen konfrontiert, eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit und dem ideologischen Hintergrund seiner Arbeit erfolgt jedoch so selten, dass man sich fragen muss, ob sie überhaupt vorhanden ist. Dieses Defizit wollen wir durch unsere Podiumsdiskussion thematisieren und die Möglichkeit bieten, etwas daran zu ändern.

Unser Ziel ist es, einerseits über Konrad Lorenz’ Leben und seine wissenschaftlichen Errungenschaften zu informieren und andererseits den Umgang mit seiner Person in Lehre und Öffentlichkeit kritisch zu hinterfragen. Fraglich ist auch, inwiefern man hier von einem Einzelfall sprechen kann, oder ob Lorenz nicht symptomatisch für die ungenügende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs und der damaligen Rolle der Wissenschaft ist. Abschließend wollen wir darüber diskutieren, wie in Zukunft mit dem Thema umgegangen werden soll.

Hierfür dürfen wir herzlich folgende Gäste auf unserem Podium begrüßen:

– Katharina Kniefacz, Historikerin am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien
– Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle und Professor am Department für Verhaltensbiologie der Uni Wien
– Klaus Taschwer, Journalist und Mitautor von “Die andere Seite des Spiegels. Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus”
– Riccardo Draghi-Lorenz, Psychologe und Enkel von Konrad Lorenz

Moderation: Fanny Rasul

Wann: 30.05. 19:00
Wo: Hörsaal 1, Althanstraße 14 (UZA 1), 1090 Wien

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1: https://www.uni-salzburg.at/fileadmin/multimedia/Admin_News/documents/HonorumSenat_01.pdf
2: http://derstandard.at/2000027787429/Die-verlorene-Ehre-des-Konrad-Lorenz
3: So veranstaltete die rechtsextreme akademische Burschenschaft Olympia, die führende Kader der “Identitären aufzog, 2004 einen “Konrad-Lorenz Kommers” (https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20041117_OTS0094/konrad-lorenz-kommers-am-20-november-2004).
Außerdem gedenkt man ihn in der Sezession, dem Blog des neurechten Vordenkers Götz Kubitschecks, zu jährenden Todes- und Geburtstagen in längeren Texten (https://sezession.de/1246/ ; https://sezession.de/41619/110-geburtstag-konrad-lorenz.html).